Beim Neujahrsempfang der Grünen in Sottrum wurde deutlich: Die gesellschaftliche Stimmung mag rauer werden, doch es gibt Menschen, die ihr mit Klarheit, Menschlichkeit und politischem Mut entgegentreten.
Gastredner Erdal Ahlatçi, Unternehmer, Podcaster, und Lehrbeauftragter schilderte, wie subtil Ausgrenzung im Alltag funktionieren kann und wie tief die Frage „Woher kommst du wirklich?“ in die Identität eines Menschen einschneidet.
„Schon Kinder lernen, sich nicht „richtig deutsch“ fühlen zu dürfen, sobald Aussehen oder Name nicht dem gelernten Bild entsprechen,“ so Ahlatçi. Er ließ keinen Zweifel daran, wie gefährlich diese Denkmuster für eine demokratische Gesellschaft sind. Seine Botschaft war klar: Deutschsein ist kein Privileg, das verteilt werden kann, sondern ein Recht, das allen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern in Deutschland gleichermaßen zusteht. „Es sind die Werte und nicht die Herkunft, die eine Zugehörigkeit definieren,“ meint Ahlatçi. Eine Republik, die aus den Schrecken des Faschismus gelernt hat, könne seine Identität niemals über Hautfarbe, Herkunft oder Kultur definieren, so Ahlatçi.
Ahlatçi trug eine fiktive Rede vor, wie er sie sich von Bundeskanzler Friedrich Merz wünschen würde. Darin fordert er ein Deutschland, das seine Vielfalt anerkennt, verteidigt und aktiv stärkt: ein Land, das Antifaschismus als Fundament begreift, nicht als Randnotiz. Ein Land, das Inklusion als Zukunftsversprechen versteht und nicht zulässt, dass die Rechtspopulisten Menschen zu „echten“ und „unechten“ Deutschen sortieren.
In der anschließenden Diskussion zeigten die Gäste, wie sehr sie das Thema bewegt.
Dieser Neujahrsempfang hat verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Menschen Haltung zeigen, zuhören, Widerspruch leisten und die Demokratie dort verteidigen, wo sie beginnt.

Uwe Brauer, Canina Ruzicka und Simone Facktor mit Erdal Ahlatçi.
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